Ein Bezirk ist etwas Identitätsstiftendes, ein Zuhause. Und in allen Wiener Bezirken gibt es Bezirksmuseen, liebevoll kuratierte, umsorgte, Institutionen mit eigentümlichen Öffnungszeiten, in denen die Bezirksgeschichte anhand von Objekten aufgerollt wird und diese endet meist in den 60er Jahren. Was heute im Bezirk passiert und wer dort wohnt, findet in einem geschichtlichen Museum keinen Platz, dabei sind die Geschichten der BewohnerInnen heute diverser als je zuvor. Ein Bezirk sind aber vor allem die BewohnerInnen, neue und alte WienerInnen, die mit ihrer Präsenz den Bezirk zu dem machen was er ist und wird.

Wie könnte ein Bezirksmuseum aussehen in dem nicht Geschichte, sondern Alltagsleben ausgestellt wird? In dem alle BezirksbewohnerInnen repräsentiert werden, neue und alte? In dem nicht Geschichte, sondern Alltagsleben ausgestellt wird? In dem die BewohnerInnen zu KuratorenInnen werden? Während der Vienna Design Week entsteht eine Dependance eines Bezirksmuseums, in der der Fokus, anstatt auf der Geschichte des Alsergrunds, auf den Geschichten der BesucherInnen liegt.

Von Krankenhausarchitektur zum Palais, vom Zig-Generationen-Alsergrunder zur Gerade-Erst-Zugezogenen, vom Apfelstrudel Rezept zum Ferne-Heimat-Comfort Food: In Talks und Workshops wird ausgelotet was den Bezirk ausmacht, wie ein demokratischen Museum aussehen könnte und welche Themen dort überhaupt behandelt werden sollten. In der restlichen Zeit werden die BesucherInnen dazu eingeladen einen kleinen Teil beizutragen: Sie können ein Objekt mitbringen, oder nachbauen und lassen in interaktiven Stadtplänen und Statistiken einen kleinen Teil ihrer Geschichte dort.

Es wird angestammten BezirksbewohnerInnen und BezirkstouristInnen auf den Zahn gefühlt, was der Bezirk für sie bedeutet und welche Erinnerungen und Zukunftsträume sie haben. Dabei geht es aber auch darum, mit BesucherInnen gemeinsam herauszufinden, was sie als BewohnerInnen wichtig finden, und wie sie Geschichten durch Objekte erzählt können. Der Raum, das “Museum” ist anfangs noch etwas leer, wird nach und nach in den zehn Tagen mit den Geschichten und Objekten der BesucherInnen gefüllt. Dadurch zeichnet sich ein Bild vom Alsergrund, ein kleines Schaufenster in die Seele der BewohnerInnen.
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